Was ist Spinale Muskelatrophie?
SMA - mehr als eine Erkrankung motorischer Nervenzellen?
Die spinale Muskelatrophie, kurz SMA genannt, ist eine seltene, fortschreitende neuromuskuläre Erkrankung, die etwa eines von 10.000 Neugeborenen betrifft.1 Sie ist die häufigste erbliche Erkrankung mit Todesfolge im Säuglingsalter und wird zumeist bereits im frühen Kindesalter diagnostiziert.2
Bei SMA werden Nervenzellen, die Muskelbewegungen steuern – sogenannte Motoneuronen – geschädigt, was zum fortschreitenden Verlust dieser Zellen führt.2 Dadurch leiden die Betroffenen unter zunehmender Muskelschwäche, dem Hauptsymptom der SMA, sowie unter Muskelschwund (Muskelatrophie) und Lähmungserscheinungen.4 Die SMA beeinträchtig neben motorischer Nervenzellen jedoch auch die Funktion anderer Organe wie Herz und Verdauungstrakt.
Patientenvideo
Eine Patientengeschichte
Spinale Muskelatrophie ist eine seltene, fortschreitende neuromuskuläre Erkrankung. Etwa eines von 10.000 Neugeborenen ist betroffen - auch Lorenz. In diesem Video spricht die ganze Familie über die Herausforderungen und Wünsche an die Gesellschaft. Jetzt ansehen.
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Krankheitsbild
Ursachen der SMA
Die Ursache der spinalen Muskelatrophie ist ein Verlust oder eine Mutation, d.h. eine Veränderung des so genannten SMN1-Gens. Dieses Gen bildet den Bauplan für das Protein mit dem Namen „Survival of Motor Neuron“ – kurz SMN. SMN ist in verschiedensten Körperzellen wichtig und spielt u.a. eine maßgebliche Rolle, damit Nervenzellen mit Muskelzellen kommunizieren und Muskeln korrekt funktionieren können.2 Neben dem SMN1-Gen gibt es im menschlichen Körper noch ein zweites Gen, um das SMN-Protein herzustellen – das SMN2-Gen. Mit Hilfe dieses Gens kann der Körper allerdings nur etwa 10% funktionsfähiges SMN-Protein herstellen.2
Fällt das SMN1-Gen wegen des Gendefekts aus, wie es bei Menschen mit SMA der Fall ist, bleibt ausschließlich das SMN2-Gen, um das lebenswichtige SMN-Protein herzustellen. In welcher Menge das SMN-Protein gebildet werden kann, hängt wesentlich davon ab, wie viele Kopien des SMN2-Gens ein Mensch mit SMA besitzt. SMA-Patienten mit einer höheren Anzahl an SMN2-Genkopien sind im Regelfall weniger stark von der Krankheit betroffen. Daraus ergeben sich auch die verschiedenen Typen der Erkrankung.2
Vererbung der SMA
Die SMA ist eine so genannte autosomal rezessiv vererbbare Erkrankung. Das bedeutet, es erkranken nur diejenigen Menschen, die vom Vater und der Mutter jeweils ein fehlerhaftes SMN1-Gen erben. Besitzen die Eltern jeweils eine richtige und eine fehlerhafte SMN1-Genkopie, und sind diese somit Träger der SMA-Erbanlage, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25%, dass deren gemeinsame Nachkommen an SMA erkranken. Aus Untersuchungen geht hervor, dass etwa 1 von 50 Menschen Träger ist.1
Das Wissen sowohl um die Auswirkungen des SMN1-Gendefekts auf den menschlichen Körper, als auch um mögliche Behandlungsansätze für Menschen mit SMA ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Diese Chance ergreift Roche mit seinem Forschungsprogramm - mit dem Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit SMA zu entwickeln.
SMA - mehr als eine Erkrankung motorischer Nervenzellen?
Abhängig vom Schweregrad wirkt sich der Mangel an SMN-Protein auf den ganzen Körper aus und ist mit einer Vielzahl von Komplikationen verbunden. Dazu zählen unter anderem Atem-, Herz-Kreislauf- und Verdauungsprobleme, Schluckstörungen sowie eine geringere Knochendichte mit erhöhtem Knochenbruchrisiko.6,7,9,10 Diese Symptome weisen darauf hin, dass das SMN-Protein an wichtigen Grundfunktionen jeder Körperzelle beteiligt ist.8
Typen
Jeder Mensch mit SMA ist anders – die drei häufigsten Typen der SMA
Die drei häufigsten Typen der SMA und wodurch sie sich auszeichnen auf einen Blick:
- SMA Typ 1: In der Regel zeigt sich die SMA bereits im Alter von 0 bis 6 Monaten, die Babys können nur liegen, aber nie sitzen.5
- SMA Typ 2: Meist sind Kleinkinder im Alter zwischen 6 und 18 Monaten betroffen. Sie können sitzen, aber nie stehen.5
- SMA Typ 3: Die SMA zeigt sich meist bei Kleinkindern nach dem 18. Lebensmonat, sie kann aber auch erstmals bei Menschen im frühen Erwachsenenalter in Erscheinung treten. Die Betroffenen lernen zu laufen, können diese Fähigkeit aber aufgrund der fortschreitenden Erkrankung wieder verlieren.5
Es gilt zu beachten, dass die Übergänge zwischen den Typen fließend sind. Jede:r SMA-Patient:in ist anders.
Auch entstehen durch die mittlerweile verfügbaren Therapien neue Erscheinungsbilder bzw. -merkmale, so dass die Einteilung nach Typen so nicht mehr gültig ist.3
Die ersten Anzeichen einer SMA Typ 1 treten bei Babys bereits vor dem 6. Lebensmonat auf. Die Krankheit äußert sich in dieser schweren Form durch eine ausgeprägte Bewegungsunfähigkeit. Auch das Atmen und Schlucken fällt den Babys oft sehr schwer. Unbehandelt erreichen Babys mit SMA Typ 1 nie wichtige motorische Meilensteine der kindlichen Entwicklung, wie z.B. die Fähigkeit, ohne Hilfe zu sitzen, und sterben häufig vor Erreichen des zweiten Lebensjahres an Lungenversagen.5
Die ersten Symptome bei SMA Typ 2 treten etwa später auf; in der Regel im Alter von 6-18 Monaten. Auch im Falle einer SMA Typ 2 ist die motorische Entwicklung stark verzögert: Die Kinder können zwar ohne Hilfe sitzen, oft brauchen sie allerdings Unterstützung, um in die Position zu gelangen. Sie werden ohne Therapie nie stehen oder laufen können. Auch bei dieser Form der SMA kann die Lebenserwartung im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich verkürzt sein.5
Menschen mit SMA Typ 3 sind zumindest zeitweise in ihrem Leben gehfähig. Mit Fortschreiten der SMA können sie diese Fähigkeit jedoch wieder verlieren. Die Muskelschwäche ist bei SMA Typ 3 in den Beinen oftmals ausgeprägter als in den Armen. SMA Typ 3 tritt in der Regel nach dem 18. Lebensmonat auf. Im Unterschied zu SMA Typ 1 und 2, haben Menschen mit SMA Typ 3 - auch unbehandelt - eine weitestgehend normale Lebenserwartung.5
Diagnose
Der Verdacht auf SMA entsteht bei der schweren Form vom Typ 1 zunächst durch Beobachtung der charakteristischen körperlichen Auffälligkeiten. Dazu gehören vor allem die Muskelschwäche in Beinen und Armen. Insbesondere bei Säuglingen ist zudem ein glockenförmiger Brustkorb ein wichtiges Indiz für eine spinale Muskelatrophie.4 Da es sich bei SMA-Patient:innen in vielen Fällen um Kleinkinder handelt, spielen die Eltern eine wichtige Rolle, um Fragen, die im Rahmen der Diagnostik relevant sind, beantworten zu können.
Wie wird die spinale Muskelatrophie festgestellt?
Die sichere Diagnose einer SMA lässt sich nur über einen Gentest stellen. Hierfür wird dem Betroffenen Blut entnommen, um die Blutzellen auf einen Defekt im SMN1-Gen hin zu untersuchen.
Seit Juni 2021 werden alle Neugeborenen in Österreich auf Spinale Muskelatrophie gescreent. Dadurch können fast alle Fälle von SMA frühzeitig identifiziert werden, d.h. die SMA kann frühzeitig behandelt werden, was die Entwicklungsmöglichkeiten verbessert.11
Eine möglichst rasche Diagnose und der frühe Beginn einer ursächlichen Therapie kann dem Verlust von Motoneuronen bestmöglich vorbeugen und die Behandlungsergebnisse für SMA Patient:innen erheblich verbessern.
Therapie
2017 wurde die erste medikamentöse Therapie für die spinale Muskelatrophie in Österreich verfügbar.12 Diese wirkt über das SMN2-Gen, indem es die Übersetzung des SMN2-Gens in funktionsfähiges SMN-Protein verbessert (sogenannte „Splicing-Modifikation“). Eine weitere Therapie wurde 2020 in Österreich zugelassen.13 Bei dieser sogenannten Gentherapie bringt ein verändertes Virus ein fehlerfreies SMN1-Gen in die Zellen des Körpers ein. 2021 wurde die erste orale SMA Therapie zugelassen.14 Diese Therapie wirkt ebenfalls über den Ansatz der “Splicing-Modifikation” und erhöht durch verändertes Spleißen der prä-mRNA des SMN2-Gens die Menge an funktionsfähigem SMN-Protein.
Alle verfügbaren Therapien haben zum Ziel, die Menge an funktionsfähigem SMN-Protein zu erhöhen. Weitere Therapieansätze befinden sich von verschiedenen Firmen in der Entwicklung.
Die zentrale Anlaufstelle für SMA Patient:innen sollten neuropädiatrische bzw. neurologische Zentren sein. Jedoch erfordert die Behandlung aufgrund der Kompexität der Erkrankung eine umfassende, fächerübergreifende medizinische Versorgung. Zu den wichtigsten Bereichen zählen: Ernährung, Orthopädie, Lungenversorgung, Akutversorgung, Medikation und Versorgung anderer Organe. Zudem können Rehabilitationsmaßnahmen wie regelmäßige Physiotherapie Menschen mit SMA dabei helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.4
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Krankheitsmodifizierende Therapien (Splicing-Modifier und Gentherapie)
- Symptomatische Therapie
- Atemtherapie
- Physiotherapie
- Orthopädietechnik
Die Forschung zur SMA geht weiter
Bis heute mehren sich die Hinweise darauf, dass der Mangel an SMN-Protein nicht nur die muskelsteuernden Nervenzellen, sondern auch die normalen Aufgaben anderer Körperzellen beeinträchtigt.7,15 Vor diesem Hintergrund haben wir bei Roche zur spinalen Muskelatrophie ein langfristiges Forschungsprogramm aufgesetzt. Ziel ist es, auf Grundlage der neuesten Erkenntnisse moderne Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die das Leben von Menschen mit SMA nachhaltig verbessern können.
Bibliothek
Mediathek
Die spinale Muskelatrophie (SMA) gilt historisch gesehen als Kinderkrankheit. Heute machen in Österreich mehr als 60% der Betroffenen Erwachsene aus. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit innovativer Behandlungen, die die Lebensqualität und Überlebensraten verbessern, dürften diese Zahlen weiter steigen.
In diesen Videos erzählen Erwachsene SMA-Patient:innen ihre persönliche SMA-Geschichte.
Für SMA Patienten
Meine SMA Therapie
Wir möchten Ihnen den Umgang mit der spinalen Muskelatrophie erleichtern und bieten Ihnen weiterführende Informationen zu Ihrer Therapie.
Die Inhalte dieser Webseite können jedoch das persönliche Gespräch nicht ersetzen.
Bei weiteren Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt/Ihre behandelnde Ärztin oder das Sie betreuende medizinische Fachpersonal.
Hilfreiche Adressen
Neuromuskuläre Zentren in Österreich
Wenn Sie eine Diagnose erhalten, gibt es spezialisierte Verbände, an die Sie sich wenden können und die Sie in Ihrem Alltag unterstützen können.
Wir haben für Sie hier einige hilfreiche Adressen:
Landesklinikum Mödling
Abteilung für Kinder - und Jugendheilkunde
Sr. M. Restituta-Gasse 12
2340 Mödling, Niederösterreich
Mehr erfahren
Landesklinikum Amstetten
Abteilung für Kinder - und Jugendheilkunde Krankenhausstraße 21
3300 Amstetten, Niederösterreich
Kepler Universitätsklinikum
Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Med Campus III. Krankenhausstraße 9
4021 Linz, Oberösterreich
Ordensklinikum Linz GmbH
Barmherzige Schwestern, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde
Seilerstätte 4
4010 Linz, Oberösterreich
Klinikum Wels-Grieskirchen
Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde
Grieskirchner Straße 42
4600 Wels, Oberösterreich
LKH Graz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Auenbruggerplatz 34/2
8036 Graz, Steiermark
LKH Hochsteiermark
Abteilung für Kinder - und Jugendheilkunde
Vordernberger Straße 42
8700 Leoben, Steiermark
LKH Univ. Klinik Salzburg
Abteilung für Kinder - und Jugendheilkunde Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Abteilung für Kinder - und Jugendheilkunde
Feschnigstraße 11
9020 Klagenfurt am Wörthersee
LKH Villach
Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde
Nikolaigasse 43
9500 Villach, Kärnten
Univ. Kliniken Innsbruck
Department für Kinder - und Jugendheilkunde Anichstrasse 35
6020 Innsbruck, Tirol
LKH Bregenz
Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Carl-Pedenz-Str. 2
6020 Bregenz, Vorarlberg
AKH Wien - Universitätsklinik für Neurologie
Ambulanz für neuromuskuläre Erkrankungen Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Klinik Donaustadt - Abteilung für Neurologie
Spezialambulanz Neuromuskuläre Erkrankungen Langobardenstraße 122
1220 Wien
Kepler Universitätsklinikum
Neurologie 2
Sprechstunde neuromuskuläre Erkrankungen, Med Campus III. Krankenhausstraße 9
4021 Linz, Oberösterreich
Klinikum Wels-Grieskirchen
Abteilung für Neurologie
Grieskirchner Straße 42
4600 Wels, Oberösterreich
Christian-Doppler-Klinik
Universitätsklinik für Neurologie
Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Abteilung für Neurologie
Feschnigstraße 11
9020 Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten
Univ. Klinik für Neurologie InnsbrucK
Ambulanz für neuromuskuläre Erkrankungen
Christoph-Probst-Platz Innrain
526020 Innsbruck, Tirol
Mehr erfahren
SMA Vereine und Selbsthilfegruppen
Marathon - Verein von Eltern und Angehörigen gegen Muskelerkrankungen bei Kindern
Krankenhausstraße 26-30
4021 Linz
E-Mail: [email protected]
Österreichische Muskelforschung
Margaretenstraße 70
1050 Wien
Telefon: +43 662 43 16 63 - 0
E-Mail: [email protected]
Mehr erfahren
Muskelkrank - Selbsthilfegruppe für Muskelkranke Oberösterreich
Altensam 49
4800 Attnang-Puchheim
E-Mail: [email protected]
M-AT-00002495